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Batman Live

Januar 12, 2012

Batman Live

DISCLAIMER 1: Vorsicht, das wird etwas länger!
DISCLAIMER 2: SPOILER-ALARM!
(Und ja, ich steh auf Disclaimer, na  und?

So sehr ich die Ernsthaftigkeit, die Düsternis, das „Erwachsene“ der Batman-Comics liebe, aufgewachsen bin ich mit der guten alten Fernsehserie aus den 60ern bzw. deren Wiederholungen im samstagmorgendlichen Kinderprogramm Anfang der 90er. Sie war bunt, sie war schrill, sie war völlig bekloppt, meschugge synchronisiert und die dürftigen Actionszenen wurden mit den berühmtberüchtigten „ZACK“- „POW“- und „BAFF“-Einblendungen mehr schlecht als recht kaschiert. Aber, die Liebe zum Detail und der durch alle quietschbunten Sets und Kostüme hindurchschimmernde Wahnsinn packten einen direkt an der Kitschdrüse und lassen da auch heute noch nicht los.

Was das nun alles mit dem „Live“ zu tun hat, verrate ich euch vielleicht etwas später.

Erst muss ich mir überlegen, wo ich anfangen soll, das Action-Theater (im Sinne von „Schauspieler auf einer Bühne“) zu erklären.

Ich habe mir das so gedacht: Nachdem Marvel am Broadway tatsächlich mehr oder minder Erfolg mit einem FUCKING Spider-Man-Musical hatte, produziert von Bono (ja, dem sonnenbebrillten Weltfrieden-MTV-Jesus von U2) und mit Songs vollgepackt, die wie eine schlechte U2-Coverplatte klingen (ganz ehrlich, die Lieder strotzen nur so von Eintönigkeit, guckt mal bei Youtube), dachten sich die Warner Brüder wohl ähnliches wie: „Watt? Mit sowatt kann man Geld verdienen? Datt könnwa ooch!“

Und „Flortsch“ startete im Juli des vergangenen Jahres die „Batman World Action Tour“ oder kurz „Batman Live“.

Ich selbst erfuhr recht spät davon (als in Berlin die ersten Plakate hingen) und schaffte es tatsächlich bis zum Besuch der Show nur eben diese Plakate und den „Trailer“ auf Pro7 zu sehen, hatte dementsprechend also keine gottverdammte Ahnung, was mich erwarten würde.

Aber, Batman-T-Shirt an, Freundin untergehakt und gestern (11.01.12) ab in die Berliner O2-World zu

Batman Live… oder äh, besser Batman Playback *hüstel*

Genau, fangen wir mit dem Titel an. Live, Bei Konzerten heißt live eigentlich, dass Sänger/Band, wirklich und in echt vor einem auf der Bühne steht und wirkliche und in echte Instrumente bedient bzw. original vor Ort ins Mikro trällert.

Das ist bei Batman nicht ganz so. Da stehen zwar echte Menschen auf der Bühne, aber echt sprechen tun die nicht. Die bewegen nur die Lippen und die dazu hörbaren Stimmen sind recht häufig ein gaaaanz kleines bißchen asynchron. Das sieht lustig aus.

Aber, ich steige ja schon voll ein. Fahren wir lieber ein, zwei Gänge zurück und gucken uns erst mal die Bühne an. Die ist ein Halboval, das recht tief in die gut besuchte Halle (1. öffentliche Aufführung in Berlin und trotzdem nicht ausverkauft, schämt euch) hineinragt und im Hintergrund von einer riesigen Leinwand in heftig hübscher Fledermausform abgeschlossen wird.

Diese Leinwand ist schon vor Beginn in Betrieb, denn hier geschieht das meiste an Illusion. Auf der Bühne stehen mehrere Modellbauten von Häusern und Wolkenkratzern, während sich scheinbar im Hintergrund eine lebhafte, doch düstere Stadtsilhouette abzeichnet, aus der weißgelbe Scheinwerfer in den wolkenverhangenen Himmel strahlen, die von Luftschiffen regelrecht umkurvt werden. Geräusche eines typischen Abends in Gotham City erfüllen die Luft: Autolärm, einzelne leise durchdringende aber sofort wieder im Tumult des Großstadtrubels verebbende Gespräche und Polizeisirenen, immer wieder Polizeisirenen. In dieser Stadt, das merkt man sofort, lebt es sich gefährlich.

Nachdem wir eine Durchsage mit der Bitte, nicht mit Blitz zu fotografieren gehört haben, (auf die natürlich jeder scheißt außer moi) beginnt das Schauspiel.

Ich werde mir wohl nicht die Mühe machen, jede einzelne Szene wiederzugeben, aber ein paar genauere Betrachtungen werden schon von Nöten sein.

Und wie kann man wohl die Geschichte Batmans am besten beginnen? Oh richtig, mit einem kurzen Abriss, wie er zu Batman wurde. Die gute alte, tragische Geschichte mit dem Kinobesuch (es lief Zorro), der Seitengasse, dem etwas zu nervösen Räuber und der plötzlichen Verwaisung Bruce Waynes zieht noch immer und wird hier wunderbar umgesetzt. Es ist düster, es ist neblig und man weiß verdammt noch eins, was gleich kommt. Und hier kommen die zwei wohl wichtigsten Elemente des gesamten Abends zum Tragen. Die Leinwand und die Beleuchtung. Als Familie Wayne auf der Bühne auftaucht stehen sie vor dem hell erleuchteten Eingang des Kinos, mit Blinkenden Überschriften und allem Pipapo. Trotzdem ist die Bühne selbst in dunkles Blau getaucht, die Protagonisten selbst mit Spotlights bedacht, die Licht wie Straßenlaternen spenden. Man ist sofort mit in der Gasse, Der Sound tut sein übriges. Das Szenario läuft ab wie eh und je, doch als Mami und Papi Wayne (interessanterweise offscreen) sterben und der kleine Bruce schreiend in die Nacht läuft, schafft es die Show tatsächlich, durch den animierten Hintergrund und den genialen Lichteinsatz die Illusion zu schaffen, dass er schon fast wie mit verdrehten Kamerawinkeln (obwohl man die ganze Zeit fest auf seinem Platz sitzt) in ein schwarzes Nichts oder auch die Höhle unter Wayne-Manor fällt. Großes Kino. Wäre da nicht der gesprochene Text.

Ein, wenn nicht sogar DAS Manko der ganzen Aktion ist Sprache. Natürlich, eine solche Aufführung mit Netto über gut 2 Stunden Spielzeit kann heute, um zu wirken nicht ohne Dialog auskommen, zumindest, wenn es nicht nur die Artsiefartsies und Etepetetes interessieren soll. Wie oben schon geschrieben, nennt sich das ganze ja eine „World Tour“, soll heißen, anders als z. B. bei der Blue Men Group, die für jeden Standort passende Akteure casten, haben wir es hier mit einem wirklich umhertourenden Ensemble zu tun. Soweit ich das aus dem recht schicken „Making-Of-Buch“, dass ich mir als einziges Merchandise des Abends geleistet habe (auch dazu später mehr) herausgelesen habe, handelt es sich hauptsächlich, wenn nicht sogar vollständig um eine Ansammlung englischer größerer, wie kleinerer Talente. Die nunmal leider keine oder zumindest nicht alle Sprachen dieser Welt sprechen. Blöd für eine Welttournee. Zumindest, wenn man mit einem Programm unterwegs ist, dass nun mal doch immer noch Kinder anspricht und soweit ist es eben noch nicht, dass die Blagen alle englisch können. Also, weil die einen kein deutsch können und die anderen kein Englisch half man sich mit Untertiteln aus. Nein, Moment. Keine Untertitel, sondern Synchronisation. Ja, wirklich, ein Theaterstück (im weitesten Sinne) mit einer drübergesprochenen Synchro. Klingt gar nicht so unspannend oder? Wenn da nicht zwei Dinge wären.

1. Die Schauspieler, in Ermangelung der Tatsache, dass, würden Sie sprechen, würde sie eh keiner hören, bewegen ihre Lippen, obwohl, nein, sie bewegen ihre Münder. Und zwar nur auf und zu. Das sieht dann ungefähr aus, wie bei Ernie und Bert, bzw. schlechter als bei den armen Elternsklaven damals in der Mini-Playback-Show.

2. Die vom Band kommenden deutschen Stimmen sind zu 90 % der allerletzte Oberscheiß. Völlig dilletantisch, zum Teil arg sackbegehend und in einigen Fällen derart heftig übersteuert, dass man sich schon fast wünscht, sie hätten doch eine dialogfreie Version probiert. Brutal.

Die Ausnahmen beider Regeln finden sich in den beiden Cuties des Abends, Catwoman und Harley Quinn. Gut, Harley hat leider charakterspezifisch eine schrille, quietschige Stimme, aber und da geht, diesen Aspekt betreffend wirklich das größte Lob an die Sprecherin.

Sie klingt wirklich, wie Harley. Total verknallt in den Joker, etwas geistig hintendran, immer gut drauf und völlig durchgedreht. Und, wie ihr Poopie an einer Stelle treffend bemerkt, immer wie auf Helium. Dazu noch eine Darstellerin, die sowohl das artistische des Clownsgirls, wie auch die kecke (Habe ich wirklich gerade „keck“ geschrieben? Es geht zu Ende, oh dräuend Ungemach…) und verspielte Natur mit Leichtigkeit rüberbringt, dass sie (trotz des am meisten abgewandelten Kostüms) vollstens überzeugt.

Vielen anderen gelingt das nicht so gut.

Allen voran (leider leider leider fucking leider) dem Fledermausmann himself. Interessanterweise muss man es hier wirklich auf die Fledermaus beschränken. Während der Schauspieler als Bruce Wayne, Multimilliarden-Playboy und Lebemann recht gut wirkt, kommt, sobald er die Maske mit den spitzen Ohren anlegt, der Kasper in ihm durch. Ich weiß nicht, ob es an der Regie liegt, die ihm gesagt hat, er soll ständig das Maul aufreißen, als wäre seine Fruchtblase gerade geplatzt und dass er sich nur in drei recht belämmerten Abläufen bewegen darf, aber Batmans Performance war wirklich einfach nur doof.

Haben wir ein Glück, dass sich das Geschehen recht wenig um ihn dreht.

Richtig gelesen. Batman ist eigentlich nur das Vehikel, für eine prächtige Show voller Artistik, Varietée, Stunts, Tanzchoreographien und äh…Bösewichte. Ja, wieder richtig gelesen. Bösewichte!

Die hier präsentierte Story ist eigentlich eine Variation von „Batman Forever“…

LADIES AND GENTLEMEN! WIR HABEN SOEBEN FEINDGEBIET BETRETEN! DIE STORY IST INSPIRIERT VON EINEM JOEL-SCHUMACHER-BATMAN!!! ICH WIEDERHOLE, WIR HABEN FEINDGEBIET BETRETEN!!!

Doch glücklicherweise können wir den Alarm leise als Hintergrundberieselung weiter laufen lassen und müssen uns ihm nicht vollstens widmen, denn zum einen ist „Forever“ der gute Schumacher-Batman und zum anderen ist die Musik, mit der wir beglückt werden, hörbar an den Tim-Burton-Filmen (Für Kenner, an der Danny-Elfmann-Musik) orientiert, als an dem abgefrickelten Rumgejazze eines Elliot Goldenthal bei fucking Shoemaker. Aber leider nur orientiert. Das ganze geht dann tontechnisch in Richtung der spitzenmäßigen Zeichentrickserie aus den 90ern.

Doch vorerst zurück zur Story. Die Basis für alles bildet hier die Origin-Story des ersten Robins, Dick Grayson, der ein ähnliches Schicksal erleidet, wie sein späterer Vormund Bruce Wayne, indem er nämlich erstereihetechnisch dem Tod seiner beiden Artisteneltern beiwohnen darf.

Hier ein Einschub. Es gibt zwei Versionen dieser Stammbaumauslöschung. Einmal die Version (wohl nur in Batman Forever angewandt), in der die Eltern von Gangstern (Two-Face), die während der Vorstellung in den Zirkus dringen von den Podesten unterm Dach des Zelts geballert werden und zum anderen jene, in der die Seile für die waghalsigen Artistereien von unbezahlten Schutzgelderpressern ein klein wenig angesägt wurden und vor voller Hütte bei Gebrauch versagen. Bei Batman Live jedoch wird der Tod der Eltern von Dick Grayson folgendermaßen dargestellt:
Papa und Mama G. stehen oben auf der Plattform, plötzlich Dunkelheit, Blitzgewitter, Geräusche, die wie ein Maschinengewehr klingen, beide stürzen in ansehbar gespielter Zeitlupe in die Tiefe.
Nächste Szene, Polizei am Tatort redet von durchgetrennten Seilen. WTF?
Einschub Ende.

Dick weiß nur, dass sein Dad scheinbar Probleme mit einem kleinen Gangster Namens Zucco hat und der scheint ständig seinen Arbeitgeber zu wechseln. Also geht Bats auf die Jagd nach ihm und landet in der Iceberg-Lounge, dem Club für alles von Rang und Namen in der Gothamer Unterwelt. Und die hat sich hier auch versammelt um zu überlegen was zu tun ist, denn Zucco hat schon für jeden von ihnen mindestens einmal gearbeitet und weiß so gut wie alle Geheimnisse der bunten Schar. Und während Pinguin, Catwoman und Two-Face noch grübeln, bringt der Riddler die Lösung. Tötet Zucco und dann Batman. Blöd nur, dass letzterer mit einem beherzten Sprung durchs splitternde Glasdach die traute Viersamkeit sprengt und erst mal ein wenig aufräumt.

Blöd für Batman, dass Zucco einige Augenblicke später hysterisch lachend und kichernd in seinen Armen stirbt.

Doppelt blöd für ihn, dass Dick sich in der Zwischenzeit aus Wayne Manor geschlichen hat und zurück zu seinem Zirkus gedüst ist, der aber irgendwie seltsam verändert scheint. Wo vorher Rot und Gelb und helles Licht dominierten, ist es jetzt finster und irgendwie grün und lila. Seltsam. Und auch die Artisten und Clowns, die Dick (nicht wirklich) begrüßen scheinen mehr bedrohlich als freundlich. Und wer ist eigentlich diese Harley Quinn, die ihn da zutextet?

Natürlich, der große Auftritt des Jokers. Als Jack in the Box springt er aus der Kiste und wirkt, wie aus den Comics entstiegen. Laut, bunt, hager mit einem riesigen Grinsen und einer tiefen Bassstimme?…äh, wie? Die wohl unpassendste Synchronstimme des gesamten Ensembles hat ausgerechnet der Hauptantagonist bekommen? Und dann lacht er nicht mal ordentlich sondern gibt, wenn nur ein paar lasche „Ho ho ho“s von sich…maßlose Enttäuschung, wo doch der Akteur selbst, so großartig überchargiert, dass man die Stimme des Zeichentrickjokers schon fast riechen kann…oder so. Tragisch.

Machen wir das Storytelling mal etwas kürzer. Batman rettet Dick, der will seine Eltern rächen, Bruce verrät ihm sein Geheimnis („Dick?“…“Ja?“…“Ich bin Batman“…1 Sekunde Stille…das Publikum gröhlt!), Alfred hat Bruce alles beigebracht (WHAAAAAAAT?), Dicks Ausbildung soll Jahre dauern, Joker gräbt sich nach Arkham Asylum REIN(!), übernimmt es und lockt Batman in eine Falle, wir sehen das extra für die Show entworfene Batmobil, schick, wir sehen eine ellenlange Videosequenz auf Sega-CD-Niveau, wie das Batmobil nach Arkham fährt, nicht schick, Batman geht in die Falle, wird von Scarecrow verangstgast, von Poison Ivy pherhormonisiert und dann einfach an Ketten in die Mitte von Arkham gehängt, in letzter Sekunde kommt Robin hereingeschwungen, kloppt sich mit den Bösis, während Catwoman das Gewissen plagt und sie Batman befreit, alle drei vertrimmen die Gangster inklusive des dazugehörigen Mobs, Batman fragt Robin wofür das R auf seiner Brust steht, Robin sagt, so wie Bruce damals ständig Zorro mit seinem Vater geschaut hat, haben er und sein Dad immer wieder Robin Hood gesehen, ich war so berührt von dem Moment, ich hätte den verhurten Drehbuchautor mit bloßen Händen in der Mitte auseinanderreißen können für diese verdammte Frechheit! (Es waren einzelne Buh-Rufe aus dem Publikum zu hören…) Und das Stück endet mit einem innigen Cat-Bat-Kiss und wunderbarem Posing von Batman und Robin.

Hach ja, das klingt schon fies, nicht wahr? Aber lustigerweise funktioniert es. Trotz der grottigen Sprecher, trotz des zum Teil schröcklichen Actings. Es funktioniert.

Ein Potpourri (oder wie datt heißt) der guten Laune…bis auf die fünf Toten im Stück…
Die Story ist Fans natürlich altbekannt, der Joker als Schuldiger für den Tod von Robins Eltern natürlich auch nur eine marginale Abänderung, die aber den Vorteil hat, dass der Clown, den kompletten Zirkus übernimmt und damit Platz für eine zweite lange Zirkusnummer (nur halt etwas düsterer) schafft. Überhaupt sind gerade die wirklich durchchoreographierten Showelemente am überzeugendsten, zweimal Zirkus, einmal Varieté, eine Stockkampfsequenz Batman gegen 20 und der Endkampf sind großartig anzuschauen und wissen durch Effekteinsätze und Stunts wirklich zu begeistern. Die Dialoge nicht so, aber gerade in Verbindung mit dem sehr bewussten Overacting kommt hier tatsächlich gute Trash-Stimmung auf.

Also, was gibt es denn nun auf der Haben-Seite?
-Das Design: Sowohl Sets, als auch Kostüme und Gadgets (Batmobil) sind ein wahnsinniger Mix aus Bauten und den bekannten Kostümen aus den Filmen und Serien der 90er (Riddler, Two-Face, Joker, Robin, Poison Ivy), aktuelleren Interpretationen (Catwoman – wie in aktuellen Comics, Batmans Anzug erinnert an die Kluft aus dem Videospiel „Arkham Asylum“, Scarecrow wirkt fast schon wie das Scare-Beast) und ein paar eigenen Einfällen (Harleys Kostüm ist sichtbar abgewandelt worden und wohl am ehesten als eine Mischung aus ihrem ursprünglichen Kostüm und ihrem Aufzug in „Arkham City“ zu beschreiben). Da hat sich der sichtlich etwas höhere Produktionsaufwand eindeutig gelohnt.

– Die Schauspieler: Typecasting von vorn bis hinten. Bruce Wayne war vielleicht eine Spur zu jung und Comissioner Gordon ein paar Kilo zu fett, aber der Rest war tatsächlich (selbst in den Nebenrollen) fast immer auf den Punkt.
– Das der Bruce-Darsteller als Batman selbst nicht punkten konnte war schade, hat aber zum Glück nicht allzu sehr gestört.
– Joker war wie schon angemerkt schauspielerisch auf den Punkt.
– Harley und Catwoman ebenso.
– Der Pinguin war kurz und prägnant erlebbar in der Vorstellung seines Clubs und watschelte, dass es eine wahre Freude war.
– Two-Face war leider ein wenig übers Ziel hinaus zwiegespalten und erinnerte mehr an den mit sich selbst hadernden Gollum, als den harten Kerl, der einfach nach einem dualen System lebt und seine Münze entscheiden lässt.
– Großartig für die paar Zeilen Text, die er hatte, war der Riddler, in Spandex plus Hut, Sakko und Stock schon im Mix gekleidet, channelte der Darsteller den großen und unvergessenen Frank Gorshin (Riddler aus der 60er-Batman-Serie, für die Nichtfledermausfanatiker) in Körperhaltung und Gestik und schaffte es tatsächlich, das (von mir befürchtete) überzogene und fast schon unpassende Jim-Carrey-Gehampel zu lassen. Da kamen Erinnerungen hoch.
– Poison Ivy und Scarecrow (letzterer völlig kostümiert und auf Stelzen) hatten so wenig zu sagen und zu tun, dass es nicht weiter ins Gewicht fiel.

– Die visuellen Effekte: Seien es Batmans Flugsequenzen, akrobatische Luftkämpfe mit Catwoman  (alles per Wire-Fu). Seien es die Effekte auf der Leinwand mit Zooms, Rotationen und Kapitelübergängen in Form einer umblätternden Comicseite. Seien es die Props, wie (ja, ich sag es noch einmal) das Batmobil, Jokers Zaubertrick-Utensilien, die Mini-Häuser, ein überdimensionaler Esstisch oder Jokers Fluchtheißluftballon. Alles war irgendwie Cool und hatte entweder irgendwelche optischen oder funktionelle Gimmicks, die zum Teil wirklich Staunen machten.

– Die Musik: War immer auf den Punkt, leider meist einen Zacken zu laut, aber dafür bombastisch und wie schon erwähnt sehr stark von Elfmann (den ich persönlich sehr, sehr gerne höre) inspiriert.

Nich so dolle waren:
– Die Synchronsprecher: Auch schon ausgelutscht das Thema, aber ehrlich mal, wie man bei so ikonischen Figuren, wie dem Joker die Stimme danebencasten kann, ist unglaublich. Mal ganz davon abgesehen, dass hier gerne mal englische Begriffe und Namen deutsch ausgesprochen werden. Wer kennt ihn nicht, Bruce Waynes Butler [Allfrehd] (anstelle von [Olfrädd] – ja, was weiß ich, wie man Lautschrift macht :P)…

-Der Großteil der Kämpfe: Ausgerechnet. So schön die etwas größeren Raufereien waren, kleinere Actionszenen wirkten wie „Ich bin jetzt Batman und du bist der Böse und wenn ich dich hau, musst du umfallen…Bähm…jetzt fall doch mal um, ich hab dich getroffen, menno“…Natürlich muss man hier berücksichtigen, dass gerade Bats in einem sichtlich ungelenken Kostüm steckte und dass bei einer Live-Performance kein Full-Contact-Battle drin ist, aber wenigstens so ein bisschen…Schlimm waren auch immer wieder mal eingestreute fingierte Zeitlupen, die (bis auf den Tod der Flying Graysons) ziemlich doof aussahen.

Das war’s schon.

Fazit: Alles in allem war das ganze Spektakel weit davon ab perfekt zu sein. Was ihm hinterrücks aber wieder in die eigene Tasche spielte.
Zur Erklärung. So bunt, so laut, so over the top das alles war, gerade durch die kleinen Fehler (und auch ein wenig durch die großen) kam dieses Gefühl nach gutem Trash auf. Ich will mich fast dazu hinreißen lassen, es eine Rocky Horror Show für Kinder zu nennen, aber nur fast.

Es war völlig anders, als ich erwartet habe, eigentlich eine Reise für Nostalgiker durch viele Epochen der Fledermausgeschichte und das Einzige was mir gefehlt hat, wo die schon diesen riesigen Screen im Hintergrund hatten, waren POW- und BAM- und DONK-Einblendungen während der Prügeleien.

Macht die Synchro nochmal neu und wir werden die dicksten Freunde!

P.S: Ich wollte ja noch was zum Merchandising loswerden…
Es gab ein paar Shirts mit regelrecht langweiligen Aufdrucken (zu langweilig), ein paar Kaffeetassen (hab erst vor kurzem einen großartigen Batbecher geschenkt bekommen), eine wirklich, wirklich billig wirkende Plastik-Batmanmaske, die nur bis zur Hälfte des Kopfes ging (gepresste Scheiße), ein paar unoriginelle Buttons und Schlüsselanhänger, ein wirklich dummes Leuchtepälmchen… (keine Ahnung wie der Shit heißt, sieht aus wien Staubwedel und leuchtet…), Batcapes (FUCK YEAH!) mit einem fetten gelben Batsymbol hinten drauf (FUCK YOU!) und als Äquivalent (geil, Fremdwort) ein…Jokercape (Hä?)…

Im Endeffekt, ging mein Geld dann an dieses Making-Of-Buch, dass recht hochwertig wirkt, viele Grafiken und Bilder aus den Produktionsprozessen beinhaltet ein bisl englisches Gesabbel von wichtigen Persönlichkeiten, wie toll das alles ist und eine Übersicht über alle Akteure mit kurzen Abrissen und ein paar vollständige Credits der Show.

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2 Kommentare leave one →
  1. TomHorn permalink
    Januar 12, 2012 3:34 pm

    Viel zu lang. Hab ich jetzt keinen Bock zu lesen…

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