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Gott spielen

Januar 19, 2012

Es gibt derzeit nicht großartig Spannendes zu berichten oder beschimpfen, aber aus Gründen habe ich mir Gedanken über Dinge gemacht (klöppel es gerade  on the fly in die Tastatur…vorher drüber Nachdenken ist was für Luschen).

Aufhänger heute: Ich habe mir vor kurzem wider besseren Wissens WIEDER mal ein Wrestling-Videospiel gekauft.

Wie? Watt? Wrestling? Der quietschbunte Quatsch mit den ölig glänzenden Chippendales ohne Ausziehen, die so tun, als wenn sie sich gegenseitig arg zusetzen, ohne auch nur einen Blauen Fleck aus Schlachten zu tragen, bei denen im Ernstfall 4/5 aller Aktionen mindestens querschnittslähmende, wenn nicht schlimmere Folgen hätten? Das Wrestling?

Ja, das Wrestling!

Ich bin ein Kind der 90er, meine Helden waren ein alternder Hulk Hogan, Razor Ramon und der einzige Mann auf Gottes grüner Erde, der ungestraft Pink tragen durfte: Bret the Hitman Hart. Rückblickend war ziemlich schnell klar, dass das ganze arg gefaked war, aber mal ehrlich, wo bekam man sonst wöchentlich Manöver und Action zu sehen, an die sonst gerade mal die alten abgenudelten Kung-Fu-Filme aus dem RTL-2-Nachtprogramm herankamen? Gerade als Kind war es natürlich spitzenmäßig, dass hier genau getrennt wurde zwischen den bösen Böslingen und den Gutesten der Guten.

Heute sind die Grenzen da, trotz der weiter bestehenden platten Charaktere doch fließender. Da wird von Heel (böse) zu Face (gut) gewechselt und ne Woche später wieder zurück. Es langweilt schon fast.

„Aber was hat das ganze jetzt eigentlich mit dem Videospiel und der komischen Überschrift zu tun, oder hast du mal wieder den Faden verloren, du Doof?“…höre ich euch fragen und antworte:
„Dazu komme ich gleich und ja, ein bisschen schon.“

Trotzdem muss ich kurz noch mal ausholen. Denn mein erstes selbstangeeignetes Wrestling-Game war „WWF (ja, da hießen die noch wie die Ökos mit dem Panda) Smackdown“ auf der Playstation (ja, ohne Zahl dahinter…ja, ich werde langsam alt). Und dieses Spiel enthielt eine Offenbarung für mich. Einen Figureneditor. Gut, es war ein recht eingeschränkter Editor.

Man konnte den Kopf einer Figur auswählen, den Rumpf und die Beinregion. Die Wahl der einzelnen Körper“teile“ war wiederum beschränkt auf die vorhandenen Figuren und ein paar „originale“ Designs. Das hatte aber auch zur Folge, dass man die schlanken Beine eines Leichtgewichts unter die massige Wampe eines Sumos packen konnte, was konsolengenerationsbedingt zu wild wuchernden Grafikmutationen führte. Nicht hübsch, aber selten.

Ende vom Lied: Ich war angefixt, ich wollte mehr. Scheiß auf gutes Gameplay, Storytelling, wasauchimmer. Ich will direkten Einfluss auf das Design nehmen können, ich will mich selber, meine Freunde und meine Feinde in das Game bauen. Ich will Kreaturen erschaffen, die von „Das guck ich mir mal ne halbe Stunde *hüstel* genauer an“ bis „Oh mein Gott, du hast es geschafft, virtuelle Verbrechen gegen das Universum und die natürliche Ordnung der Dinge zu begehen“, jede Reaktion hervorrufen können. Aber vor allem, ich will Einfluss nehmen. Wenn ich Gott spielen kann, der Figur, die ich steuere, der Welt die sie umgibt, meinen kreativen Funken einverleiben kann, ist das Spiel selbst umso imersiver.

Ich bin ein sehr visuell geprägter Mensch. Dinge, die ich sehen kann, sind für mich greifbarer als wenn ich sie höre oder ertaste (Danksagungen an Captain Obvious bitte in die Kommentare). Wenn ich dieses visuelle Erleben so beeinflussen kann, dass es meiner eigenen Fantasie (die auch recht visuell ist, wer hätte es gedacht) näher kommt, bin ich wesentlich schneller bereit, über andere Mängel hinwegzusehen.

Der Sound ist scheiße und die Steuerung macht nach zwanzig Minuten Krümeltee aus meinen Handgelenken? Egal, solange der Typ da auf dem Bildschirm aussieht, wie ich…oder besser, wie ich denke, dass ich aussehe. Ich liebe mein Sixpack und meinen massigen Bizeps…äh.

Und ich glaube, das ist auch wirklich das, was mich gerade an den Wrestling-Spielen so reizt. Die Menge an angebotenen Matchvarianten ist mir egal. Es ist mindestens fünf Jahre her, dass ich wirklich mal eine Sendung des ganzen Gekloppes gesehen habe. Ich habe (bis auf die ganz großen Stars – *vorm Undertaker in den Staub werf*) kaum noch einen Peil, wer mich da mit freiem Oberkörper in der Charakterauswahl angrinst (oder –grummelt). Und ich scheiße auf die Aktualität der Storylines.

Ich schmeiß die Scheibe in meine PS3, starte das Game und gehe in den Editor. Der ist heute etwas unübersichtlicher als damals. Aber damit kann ich leben.
Immerhin kann ich hier wirklich nach Gutdünken Gott spielen. Solange das Ganze zumindest auf menschlicher Basis beruht. Also zwei Arme, zwei Beine etc. sind Pflicht. Der Rest ist wirklich nur noch durch Fantasie und die angebotenen Teile des Editors beschränkt. Und schon steht schwups als erstes IMMER, egal in welchem Charaktererstellungsabschnitt welchen Spieles auch immer mein guter alter Avatar, Damien Crowley auf der Matte, der hagere, baumlange Post-Goth (also nicht in gelber Briefträgerkluft, sondern im Sinne von „Nach“ – euer Erklärbär) mit dem vernarbten Gesicht und den pupillenlosen Augen (wenn es die Option denn gibt).

Danach geht es dann ans wirklich göttliche und es wird geschaffen nach dem eigenen Bilde. Und so erblickt mein (wie gesagt) optimiertes Ich die Welt des quietschbunten Rings. Nicht selten, aber selten freiwillig folgen Freunde, und müssen für Tag-Team-Kämpfe und auch einfach mal als Kloppeopfer herhalten. Ein Riesenspaß für Groß und Klein.

Warum ich mich dann nicht einfach in die Sims stürze? Da gäbe es ja immerhin noch viel tiefergehende Kreierungsmöglichkeiten…

Jahaaa…aber habt ihr mal die Fights in dem Spiel gesehen? Laaaaangweilig.

Nicht erst bei dem, aber im „WWE’12“ genannten, neuesten Ableger der leider nun auch schon jährlich erscheinenden Serie, kann ich sogenannte Movesets festlegen. Im Endeffekt jede Angriffsbewegung, die im Spiel zur Verfügung steht, definieren. Ich entscheide, ob mein In-Game-Moi genauso ein roher Klotz ist, wie im RL oder ein feiner Techniker oder ein Springinsfeld (im wahrsten Sinne des Wortes). Doch da hört es nicht auf, ich entscheide auch, wie (ganz wichtig beim Wrestling) ich zum Ring komme, ganz schlicht und langweilig runterlatschen und gut oder ein Bombast-Auftritt mit Musik aus der eigenen MP3-Sammlung, Feuerwerk bei jedem verdammten Schritt und dem schlussendlichen Anzünden der Arena. Kannste alles haben. Wirklich neu ist, dass nun auch die Arena selbst völlig überarbeitet werden kann. Ich kann also mein nächstes First-Blood-Match (So lange auf die Fresse hauen, bis einer blutet. Der hat dann verloren.) in einer quietschpinken Hello-Kitty-Arena abhalten.

…oder auch lieber nicht.

Ich weiß, es gibt noch tausende andere Games, die umfangreiche Editoren beinhalten und bestimmt habe ich das ein oder andere Teil davon schon in den Fettgriffeln gehabt. Aber „WWE’12“ hat mich eben dazu gebracht, darüber nachzudenken.

P.S.: Modding ist mir zu anstrengend.

P.P.S.: Keine Ahnung worauf ich eigentlich hinaus wollte.

Salve

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3 Kommentare leave one →
  1. Umbro permalink
    Januar 19, 2012 5:10 pm

    Kennst Du eigentlich das „Jesus vs. Hitler“-Video? :org_awe:

    • Januar 20, 2012 1:08 am

      Japp, ist ja auch schon etwas älter… Was lassen die auch bei jeder Version ausgerechnet DIESES Bärtchen drin…?!

  2. Umbra permalink
    März 19, 2012 12:21 pm

    Fanservice. 😀
    Und wenn ich mir so ansehe, wie oft ein Hitler schon gedownloadet wurde…

    „Warum ich mich dann nicht einfach in die Sims stürze? Da gäbe es ja immerhin noch viel tiefergehende Kreierungsmöglichkeiten…

    P.S.: Modding ist mir zu anstrengend.“
    Bei Sims war es ja meines Wissens so, dass die ganzen Modder immer wieder vor verschlossenen Türen gelandet sind, weil bei den Sims gab es tatsächlich Sicherheiten, damit das Spiel nicht zu sehr in fallout’sche Gem0dde abdriftet.

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